DER ARTIKEL ZUM PODCAST
Wien, 25. Juni 2026
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JUHUU, ES IST SOMMER...?
Wer dieser Tage die Kommentarspalten zur aktuellen Hitzewelle liest, könnte meinen, man befinde sich in einer Endlosschleife. Kaum steigen die Temperaturen, marschieren die selbsternannten Klimaforscher der sozialen Medien auf und erklären der Welt, dass es „früher auch schon heiß war“ und man das eben „Sommer“ nenne. Wissenschaftliche Daten? Manipuliert. Klimawandel? Erfindung. Und irgendwo dazwischen sitzen noch immer jene, denen die Corona-Zeit bis heute quer im Magen liegt. Und mit vielen hat man sich im Laufe der Jahre „verfreundet". Für mich persönlich fühlt sich der Sommer jedenfalls heißer an als in den 1990er- und 2000er-Jahren. Die Weinlese beginnt mittlerweile im Durchschnitt rund drei Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Das sind keine Gefühle, sondern dokumentierte Entwicklungen. Man kann die Hitze trotzdem genießen. Man sollte nur nicht so tun, als wäre nichts passiert.
FISHER ODER DONAUINSEL?
Vor dieser Wahl stand Wien vergangenes Wochenende. Während in Frankreich die Fête de la Musique ganze Städte in kollektive Tanzflächen verwandelt, begnügt man sich hierzulande mit kleineren Formaten. Ich durfte beim Himmel und Wasser den Flashback-Floor eröffnen und anschließend einen Lokalaugenschein auf der Donauinsel machen. Spätestens ab 19 Uhr wummert dort hinter jedem zweiten Gebüsch eine Bluetooth-Box. Neben den offiziellen Veranstaltungsorten existiert eine Parallelwelt aus spontanen Zusammenkünften, die zwar zum Charme der Insel gehört, gelegentlich aber auch dafür sorgt, dass Behörden und Polizei bei den falschen Adressen landen. Auf der anderen Seite der Stadt lud Red Bull zum Sommerauftakt mit FISHER in die Freudenau. Die australische Grinsekatze des globalen Tech-House-Zirkus lieferte exakt das, was man erwarten durfte: große Drops, bekannte Vocals, maximale Euphorie und minimales Risiko. Die Reaktionen fielen gemischt aus. Während die einen die ausgelassene Festivalstimmung feierten, sahen andere vor allem ein perfekt inszeniertes Markenerlebnis. Am Ende bekam das Publikum genau das, wofür es gekommen war. Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Unterhaltung im Jahr 2026. Niemand wurde enttäuscht, aber vermutlich auch niemand nachhaltig herausgefordert. Von einem Konzern, der Eventkultur längst als Teil seiner Markenstrategie versteht, war letztlich kaum etwas anderes zu erwarten.
30 JAHRE TECHNO CAFE
Drei Jahrzehnte eines Formats, das längst mehr ist als eine Veranstaltung. Das Techno Cafe gehört mittlerweile zur kulturellen DNA dieser Stadt. Was Mitte der 1990er-Jahre als vergleichsweise kleiner Dienstagabend begann, entwickelte sich zu einem sozialen Fixpunkt der Wiener Nachtkultur: irgendwo zwischen Club, Wohnzimmer, Netzwerk und Eskapismusmaschine. Zu Gast ist Sandra Kendl, Gründerin, Gastgeberin und bis heute die prägende Figur hinter dem Techno Cafe. Während zahllose Clubs an Größenwahn, Gentrifizierung, wirtschaftlichem Druck oder schlicht am Wandel der Zeit scheiterten, blieb der Dienstag bemerkenswert konstant. Nicht als nostalgische Zeitkapsel, sondern als Format, das sich immer wieder neu erfinden musste, ohne seinen Kern aufzugeben. Das Techno Cafe war dabei nie bloß ein musikalischer Ort. Hier trafen sich Szenemenschen, Kreative, Tourist, Medienleute und ganz gewöhnliche Wiener Nachtschwärmer. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seines langen Überlebens: Clubkultur nicht als exklusiven Zirkel zu begreifen, sondern als offenen urbanen Begegnungsraum.
Gleichzeitig erzählt die Geschichte des Techno Cafe von der Entwicklung elektronischer Kultur selbst. Vom Underground zur Institution. Von Vinyl zu Streaming. Von verrauchten Nächten zu algorithmisch kuratierten Aufmerksamkeitsökonomien. Von einem Wien, das einst provinzieller, härter und verschlossener wirkte, hin zu einer Stadt, deren Nachtleben heute permanent zwischen Authentizität und Eventindustrie balanciert. Vielleicht ist genau das die eigentliche Besonderheit dieses Formats: Dass der Dienstag seine Unberechenbarkeit nie ganz verloren hat. Dass dort immer noch Menschen zusammenkommen, um etwas zu finden, das im digitalen Alltag zunehmend selten wird: echte Präsenz, Reibung, Musik und Begegnung jenseits permanenter Verwertbarkeit. Ein Gespräch über drei Jahrzehnte Wiener Nachtleben, über musikalische Haltung, urbane Veränderung und über die seltsame Kunst, eine Institution zu werden, ohne vollständig zur eigenen Karikatur zu erstarren. Ein Schicksal, das in der Clubkultur bekanntlich schneller eintritt als der erste völlig unnötige Handy-Flash auf der Tanzfläche.
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