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"Manchmal bin ich eben unbequem!"

#162| feat. Kristof Grandits & Samdma

Rudi Wrany im Gespräch mit Kristof Grandits, dem Promoter von Techno am Wasser und Erfinder von Techno am See, über die Kunst, Dinge loszuwerden, ohne sie je wirklich loszulassen, über temporäre Dauerempörung als Kommunikationsstrategie und über jene eigentümliche Mischung aus Wiener Grant und Social-Media-Feuer, die man heute auch „Authentizität“ nennt.

DER ARTIKEL ZUM PODCAST

Wien, 28. Mai 2026

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WIEN IM FEIERMODUS
Der ESC ist vorbei. Europa hat sich wieder kollektiv in Glitzer, Nebelmaschinen und geopolitisch codierte Powerballaden ertränkt, und Wien wirkt seither, als hätte die Stadt endgültig beschlossen, sich in eine permanent bespielte Eventkulisse zu verwandeln. Kaum ist ein Großereignis abgebaut, wird schon das nächste hochgezogen. Wien funktioniert derzeit wie ein Festivalgelände mit Magistratsabteilung und Sponsorenwand. Riesenevent jagt Riesenevent. Deutet das auf eine Strategieänderung hin? Man weiss es nicht. Auf den ESC folgte jedenfalls unmittelbar das Wienliebe Festival, danach wartet bereits das Donauinselfest, jener alljährliche Ausnahmezustand zwischen Bierdusche, Würstelduft und gratis verteiltem Eskapismus, und vielen Acts- und auch einer Clubkulturbühne.

BLACK COFFEE IN WIEN
Dazwischen sorgte allerdings auch das Black Coffee Open Air in der Freudenau für Gesprächsstoff. Ich selbst war nicht dort, aber die Berichte aus dem erweiterten Freundes-, DJ- und Szenensumpf klangen gemischt: Schönes Gelände, passabler Sound, aber mittelmäßige Organisation mit sehr abruptem Ende um 23 Uhr (was aber jeder gewusst haben muss).

Ganz ohne Schönheitsfehler geht es bei Großveranstaltungen hierzulande eben nicht. Die Getränkeschlangen entwickelten sich laut mehreren Besucher:innen zu einem sozialwissenschaftlichen Langzeitexperiment über Geduld, Aggression und Dehydrierung. Irgendwann kippt selbst das entspannteste Open-Air-Publikum emotional von „spiritueller Sonnenuntergangsvibe“ in „Mad Max mit Aperol“. Wer VIP war, durfte hingegen erleben, wie unangenehm Kapitalismus plötzlich wirken kann, sobald er mit eigenen Bars vom Schweizer Dj Antoine serviert wird: Nämlich gar nicht. Die VIPS bekamen oben nichts und durften dann mit keinem Getränkebecher von unten wieder zurück. Leiden kostet eben. Der Grund für das Chaos soll angeblich ein technischer Netzausfall gewesen sein. Wien und Infrastrukturprobleme bei Großveranstaltungen. Eine Liebesgeschichte älter als manche Bezirke. Und dennoch dürfte das erst der Anfang gewesen sein. Die Freudenau entwickelt sich langsam endgültig zur großflächigen Eventzone. Wien entdeckt gerade seine Liebe zum urbanen Massenbespaßungsformat. Als Nächstes wartet ein Red-Bull-Event mit Fisher am 20. Juni, danach im Herbst Beatpatrol.

KSOT GOES AUSTRIA
Parallel dazu zelebrierte Benni Fleischhacker wieder einmal seinen Pfingstsonntag am Cobenzl und zeitgleich auf den Kasematten in Graz. Und auch dort: voll. Sehr voll. Fleischhacker hat etwas geschafft, woran viele Veranstalter seit Jahren scheitern. Er verkauft längst nicht mehr primär ein musikalisches Programm, sondern ein Lebensgefühl. Die Leute kaufen Zugehörigkeit. Aperol-Republik trifft auf Daydrinking mit Aussicht und den kollektiven Wunsch, zumindest für ein paar Stunden schöner, spontaner und erfolgreicher zu wirken, als man sich unter der Woche selbst empfindet. Als Nächstes plant er laut Instagram ein Open Air am Flughafen...die Wiener Karawane zieht nun weiter Richtung Lighthouse Festival nach Kroatien. Dorthin fährt mittlerweile vermutlich auch kaum noch jemand wegen des tatsächlichen Line-ups. Der Name, das Klassentreffen, das Meer und die Gewissheit, dort exakt denselben Menschen wie letztes Jahr wieder beim Sonnenaufgang zuzunicken, reichen längst aus. Wobei Kroatien wahrscheinlich objektiv schönere Strände hätte. Aber darum geht es in solchen Formaten ohnehin schon lange nicht mehr.

SOMMER IM MAI
Umstritten und polarisierend bleibt unterdessen weiterhin Kristof Grandits. Eine Art Speerspitze jener Szeneakteure, die manchmal lieber anecken, als everybody’s darling zu spielen. Grandits kritisiert gerne, laut und regelmäßig. Veranstalter, Booker, DJs, Strukturen, Szenegewohnheiten. Je nachdem, wer gerade im digitalen Fadenkreuz auftaucht. Damit hat er sich erwartungsgemäß nicht nur Freunde gemacht. Seine Postings wirken manchmal verbissen, manchmal fast erschöpfend kämpferisch, oft wie eine Mischung aus Szeneanalyse, Frustbewältigung und öffentlicher Selbsttherapie. Aber gleichzeitig legt er eben regelmäßig den Finger genau dorthin, wo andere längst hektisch ein Hochglanz-Promo-Reel drübergelegt hätten: auf Unprofessionalität, auf Bequemlichkeit, auf jene typisch Wiener Mischung aus Größenwahn und Schlamperei, die sich erstaunlich oft erfolgreich als „Vibe“ tarnt.

Und man muss ihm  eines lassen: Seine Formate funktionieren. Techno am Wasser, am Beach oder See und im zählen mittlerweile zu den erfolgreichsten Open-Air-Reihen des Landes. Grandits hat verstanden, dass Clubkultur heute längst nicht mehr nur Musik bedeutet, sondern Wiedererkennbarkeit, Inszenierung, Haltung und das permanente Bespielen digitaler Aufmerksamkeitsspannen. Gemeinsam mit seinem Booker war er diesmal bei uns zu Gast. Langweilig wird es mit ihm garantiert nie. In einer Szene, die mittlerweile oft erschreckend konfliktscheu geworden ist, wirkt selbst Reibung fast schon wie ein kultureller Mehrwert.

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CLUB KULTUR

MIT CRAZY SONIC

Als fixer Teil der legendären Veranstaltercrew des damaligen Kultclubs "Meierei" beim Wiener Stadtpark konnte sich der gebürtige Kärntner Rudi Wrany alias Crazy Sonic mit der Partyreihe "con:verse" 1999 zum ersten Mal in der Hauptstadt einen Namen machen. In den 2000er Jahren lockte er die Crème de la Crème der nationalen und internationalen Techno-Szene ins Wiener Flex zu seiner wöchentlichen Dienstagsreihe "CRAZY". "Zuckerwatt", "Luft & Liebe", "Nachtschwimmer" oder "5 Uhr Tee“ - Crazy Sonic hat sie alle miterlebt und gestaltet. Es gibt nur wenige bekannte DJs, die er noch nicht an die Turntables der Wiener Clubs geholt hat, kaum einen der noch nicht mit Rudi auf ein Glas Wein gegangen ist.

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen, um die Menschen dahinter kennenzulernen. Von aufstrebenden Talenten bis zu etablierten Größen – sie alle haben ihre Geschichten und ihre Visionen für die Zukunft der Clubkultur.

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