CLUB KULTUR | Folge #158 | DER ARTIKEL ZUM PODCAST
„Am Hendlhafen an der Donauinsel“
Wien, 02. April 2026
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ALLES MEIER
Man soll sich bekanntlich nicht selbst loben, doch der Abend bei Meier in der Praterstrasse war von jener seltenen Qualität, die sich dem falschen Understatement entzieht. Ein legendäres Aufeinandertreffen bekannter Gesichter, getragen von einer Atmosphäre, die man nicht inszenieren kann, sondern die sich nur einstellt, wenn Ort, Publikum und Timing ineinandergreifen. Ein Erlebnis, das nach Wiederholung verlangt - und dessen Voraussetzungen erfreulicherweise bereits geschaffen sind. Überhaupt scheint die Praterstrasse endlich bei sich angekommen zu sein: befreit vom nervösen Herumdoktern allzu eifriger, mitunter nerdiger Booker, hat sie sich zu jenem Ort entwickelt, den sie immer hätte sein können - und vielleicht auch musste: dem derzeit besten Houseclub der Stadt.
ZIEMLICH MEIER
Weniger elegant verlief es für einen nicht ganz unbekannten DJ, der seit Jahren einen privaten Feldzug im Netz gegen eine bekannte Aktivistin führte. Das Gericht sprach - noch nicht rechtskräftig - sechs Monate bedingt wegen Cybermobbing aus, verbunden mit der Auflage, beleidigende Postings künftig zu unterlassen.Die Lehre daraus ist ebenso schlicht wie unerquicklich: Auch wenn es in den Fingern juckt, empfiehlt sich ein Moment des Denkens vor dem Handeln. Ein gekränktes Ego, das sich durch allerlei getriggert fühlt, mag als Erklärung dienen - als Rechtfertigung taugt es selten. Selbsteinsicht blieb auch nach dem Urteil Mangelware. Immerhin zeigt der Fall, dass sich gegen Cybermobbing durchaus erfolgreich vorgehen lässt. Ob sich dieser Feldzug gelohnt hat, bleibt eine Frage, die der Betroffene mit sich selbst ausmachen muss. Teuer kam er ohne Zweifel. Die mediale Aufmerksamkeit war ihm jedenfalls gewiss. Möge nun aber endlich das Popcorn ausgehen…
AN DER DONAU
Die Donau, samt Insel und Neuarm bietet, wie jedes Jahr, eine erstaunliche Dichte an Orten, die im Sommer bespielt werden wollen - und es auch werden: VCBC, Usus, Himmel und Wasser. Und eben dieses Porto Pollo. Oder doch Porto Lollo? Porto Pollo präsentiert sich als kleiner Open-Air-Club mit klarer Ausrichtung auf elektronische Musik und bewusst intime Veranstaltungsformate. Die reduzierte Größe erzeugt eine unmittelbare Nähe zwischen DJs und Publikum, aus der sich rasch eine konzentrierte, fast verdichtete Stimmung entwickelt. Musikalisch bewegt man sich im Spannungsfeld zwischen House und Techno, mit deutlicher Verankerung in der lokalen Szene. Die Infrastruktur bleibt bewusst schlicht und unterstreicht den improvisierten, nicht-kommerziellen Charakter des Ortes. Das Setting im Freien schafft eine Offenheit, die sich wohltuend von klassischen Indoor-Clubs abhebt. Das Publikum ist überschaubar, szenenah und erzeugt eine gewisse Vertrautheit, die in größeren Kontexten längst verloren gegangen ist. Die Kuratierung erfolgt selektiv, die Handschrift des jeweiligen Line-ups ist klar erkennbar.
Porto Pollo funktioniert über Reduktion: Intimität statt Größe, Nähe statt Distanz, Fokus statt Überangebot. Seit dem vergangenen Jahr ist mit Fabiano ein arrivierter Protagonist der Szene eingestiegen, der den Ort kuratorisch betreut und mit sicherem Gespür durch die warme Jahreszeit führen soll. Sein Format „Merkwürdig“ ist längst etabliert - nun findet es auch hier seine sommerliche Entsprechung. Mehr hört ihr, wenn ihr hört.

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