CLUB KULTUR | Folge #152 | DER ARTIKEL ZUM PODCAST
„2026: Mit der 909 durch die Marktbereinigung!“
Wien, 08. Jänner 2026
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SAUNA...ADÉ?
Früher als offenbar geplant und ganz ohne großes Adieu schloss die Sauna ihre Pforten. Still und leise. Keine Silvesterparty, nur die Absage des Events „Purradox“ und kein offizielles Statement. Schade eigentlich. Von Seiten des Vermieters Martin Ho hieß es, er sei nicht schuld an der Misere. Wirtschaftliche Gründe hätten ein Weiterführen in der derzeitigen Form unmöglich gemacht. Von der Betreibercrew war leider niemand erreichbar, man wolle derzeit alles prüfen und vorerst keine Aussagen treffen. Fair enough. Übrig bleiben viele offene Fragen und Wehmut über einen Club, der zeitweise zu den beliebtesten im deutschsprachigen Raum zählte. Die Zukunft bleibt völlig offen. Zu wünschen wäre, dass es das noch nicht gewesen ist.
SILVESTER
Sieht man vom KSOT am Cobenzl ab, das bei klirrender Kälte über die Bühne ging, war Silvester dieses Jahr eine eher fade Angelegenheit. Ja, alle Clubs voll. Aber nichts Besonderes, kein Extra, nichts, wo man unbedingt dabei hätte sein müssen. Wo sind die Silvester der Neujahrskonzerte und Tofu-Discos? Verschwunden in der Geschichte. Ein Tag wie jeder andere.
AUSBLICK
Der schmucklose Jänner lässt uns alle detoxen. Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue: Warum ausgerechnet im Jänner, wo ohnehin alles schon so frustrierend ist? Zur Kälte kommt die Weltpolitik, da möchte man eigentlich nur noch abschalten. 2026 soll einen leichten Aufschwung bringen. Heißt es. Viel davon ist derzeit nicht zu spüren. Die Medien sind voll von Artikeln über das neue Ausgehverhalten der Jugend. Gesoffen wird nicht mehr, doch andere Drogen boomen. Verrückte Welt!
HART UND GROß
Das dürfte das Event-Motto 2026 werden. Die härtere Gangart dominiert weiterhin, ob es uns gefällt oder nicht. Dazwischen Trance und Hardgroove. Elektronische Musik aus der Gründerzeit wird bestenfalls noch für den 20. Re-Edit hergenommen und bekommt langsam einen Bart, genauso wie die ständige Kritik am Geschmack der Millennials. Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Sehr wohl darf man aber viele Clubs und Veranstalter dafür kritisieren, nach der Pandemie zu wenig auf das ältere Partypublikum geschaut zu haben. Ein Publikum, das sich nun heimatlos fühlt und zunehmend aufs Ausgehen verzichtet. Klar ist auch: Clubs werden es 2026 nicht leichter haben als 2025. Gesucht werden spezielle Events mit fetten Anlagen, starker Lichtshow und Line-ups mit Ekstase-Garantie. Sara Landry und Nico Moreno in der Pyramide, Isle of Summer auf der Donauinsel, andere Großevents, die noch in der Pipeline warten. Die Zeit ist wieder reif für Happenings. Clubs als Orte der Sozialisation verlieren langsam an Bedeutung. Dahinter folgt gnadenloser Kommerz. Musikalisch wie ökonomisch. Gagen steigen in schwindelerregend kurzen Halbwertszeiten, Namen, die mir völlig unbekannt sind, sind Social-Media-Superstars. Dazwischen existieren nur noch kleine Bubbles.
NEUE NAMEN
Jeder ist mittlerweile DJ. Freilich ist nicht jeder auch Produzent und genau dort entscheidet es sich nach wie vor. International reüssierender Nachwuchs ist hierzulande rar. Zwar steigt die Zahl der Labels und Outputs, vieles verliert sich jedoch in Beliebigkeit im Meer der Neuveröffentlichungen. Ausnahmen sind ausdrücklich erwünscht. Währenddessen touren Kruder & Dorfmeister mit mittlerweile „30 Jahre DJ-Kicks“ wieder fleissig um die Welt und spielen vor vollen Venues und Hallen. Nächstes Jahr im August sind zwei Arena-Shows geplant. Ein Phänomen.
NINE O NINE
In Zeiten von KI wird die 909 bald zum Museumsstück. Oder doch nicht? Huebl, Veranstalter & DJ & Produzent, zeigt vor, dass sich seriöse Arbeit im Studio wie auch als Promoter auszahlt. Frische Promovideos und kontinuierlich guter Sound haben das NINE O NINE-Crew-Event „Techno Obscene“ mittlerweile zu einem Fixpunkt im Kalender gemacht. Die Fühler nach außen bleiben ausgestreckt. Gemeinsam mit Albin Brezlan und Dana Melissa läuft das Werkl „Techno Obsene“, dessen Obszönität freilich eher im Wortspiel liegt. Selbst am 3. Jänner platzte der Laden aus allen Nähten. Mit ihm habe ich über seine Arbeit und über die Zukunft im Jahr 2026 gesprochen. Mehr hört ihr, wenn ihr hört.

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