Auch die Sprache ist verschlungen, vorsichtig und etwas entrückt, die Schriftstellerin malt im besten Sinne Bilder an die Wand, die nur widerwillig mit der Realität verschwimmen wollen. Nach und nach versteht man aus wiederkehrenden Rückblenden: Der Vater des 7-jährigen verunglückten Finn leidet an Gesichtsblindheit – Prosopagnosie.
Die Wienerin Anna Felnhofer ist selbst für Medizinische Psychologie habilitiert, durch ihr starkes Erzählen schafft sie es, dieses Phänomen der Gesichtsblindheit zu vermitteln, Fachwissen so empathisch einfließen zu lassen, dass es organisch wirkt und man beim Lesen mehr als eine Ahnung davon bekommt. Ein ungewöhnliches Thema, das uns hier mit Felnhofers außergewöhnlicher Sprache als sehr besonderes Buch vorliegt.
Anna Felnhofer
Prosopon
Luftschacht, 259 S.


