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Nachruf: Dolly Parton

Nachruf: Dolly Parton Photo: David McClister

Nachruf: Dolly Parton

Dolly Parton ist am 25. August mit 80 Jahren verstorben. Wir nehmen uns die Zeit und blicken zurück auf eine außergewöhnliche Karriere.

Ihr Stil war immer ihre eigene Entscheidung, nie etwas, das sie erklären oder rechtfertigen wollte, dies allerdings nur Genüge getan hat. Entscheidend war für Dolly immer die Musik. Ihre Songs, ihr Songwriting, ihre Geschichten. Genau dort liegt ihr Einfluss. Als eine der bedeutendsten Songwriterinnen der amerikanischen Musikgeschichte. Geboren am 19. Jänner 1946 in den Smoky Mountains von Tennessee, als eines von zwölf Kindern, wächst Dolly in großer Armut auf. Musik ist früh ihr Ausweg und ihre Sprache.

Schon als Teenager schreibt sie Songs, mit Anfang 20 zieht sie nach Nashville, fest entschlossen, nicht nur Sängerin, sondern Autorin ihrer eigenen Geschichten zu sein. Und genau das war damals alles andere als selbstverständlich. In einer Branche, die Frauen gerne unterschätzt, belächelt oder auf ihr Äußeres reduziert hat, setzt Dolly früh ein klares Zeichen: Sie schreibt selbst. Und wie. Ihre Songs erzählen von Klasse, Herkunft, Selbstbestimmung, Arbeit, Liebe…oft leise, manchmal humorvoll, immer präzise beobachtet. „Coat of Many Colors“ ist bis heute eine der eindrücklichsten Erzählungen über Würde trotz Armut in der Popmusik.

In den 60er- und 70er-Jahren wird sie zum Star, zunächst im Country, später weit darüber hinaus. Trotzdem wird sie lange nicht ernst genommen – wegen ihres Looks, wegen ihres Humors, wegen der Tatsache, dass sie sich nie entschuldigt hat für das, was sie ist. Dolly selbst kontert das mit einem legendären Satz: „It takes a lot of money to look this cheap.“ Hinter der Ironie steckt Kontrolle. Über ihr Image, ihre Karriere und vor allem über ihre Songs. Dolly Parton schreibt Hits, die größer sind als jedes Genre. Songs, die andere Künstler:innen später zu Welterfolgen machen. Und genau das ist vielleicht ihr größtes Vermächtnis: Geschichten, die unabhängig von Stimme, Zeit oder Stil funktionieren.

Was Dolly Parton wirklich außergewöhnlich macht, ist ihre Songwriter-Bilanz. Über 3.000 Songs soll sie geschrieben haben. Darunter Klassiker wie „Jolene“, „9 to 5“ oder „I Will Always Love You“. Letzterer wird in den 90ern durch Whitney Houston zu einer der meistverkauften Singles aller Zeiten und Dolly behält bewusst die Songrechte. Eine Entscheidung, die sie später zur finanziell erfolgreichsten Songwriterin der Country-Geschichte macht.

Dabei ging es ihr nie nur ums Geschäft. Dolly Parton nutzt ihren Erfolg konsequent für andere. Ihre „Imagination Library“ verschenkt seit den 90ern weltweit Millionen von Büchern an Kinder. Sie unterstützt Bildungsprojekte, Gesundheitsforschung und Katastrophenhilfe. Ihre Haltung: Wer viel hat, gibt viel weiter. Davon könnten sich einige eine Scheibe abschneiden.

Sie switcht zwischen Country, Pop, Bluegrass, Gospel und Rock, arbeitet mit jungen Künstlerinnen ebenso wie mit Legenden. Und egal, wie oft ihre Songs gecovert werden ..das gewisse Dolly Parton-Etwas behalten sie bei. Keine Pose, kein Zynismus. Geschichten, realistisch gut erzählt.

Dolly Parton war eine Ikone der Popkultur und stand zugleich für Haltung, Handwerk und Herz. Sie hat sich nie vorschreiben lassen, wie sie zu sein hat, sondern ist ihren eigenen Weg gegangen. In einer männerdominierten Musikszene wurde genau das für viele zum Vorbild. Wir blicken auf 80 Jahre Dolly Parton zurück. Auf ihre beeindruckende Gesangs- und Schauspiel-Karriere, aber auch auf ihr Werk als außergewöhnliche Autorin des amerikanischen Songbooks.

 

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