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Mit Superfly um die Welt: Türkei

Mit Superfly um die Welt: Türkei

„Es war einmal ein Mädchen, das jeden Abend mit seinen Brüdern musizierte und die Beatles imitierte. Ihr Name war Selda.“ Dieser Satz stammt aus „Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli - einem Buch über reale Frauen, die Regeln gebrochen und dabei Geschichte geschrieben haben. Eine dieser Frauen ist Selda. Doch nicht irgendeine Selda...Selda Bagcan: eine der verbotenen Stimmen der Rebellion in der türkischen Musikgeschichte.

Aus dem Mädchen, das einst die Beatles nachspielte, wurde eine Künstlerin, die seit fast fünf Jahrzehnten mit ihrer Musik für Widerstand, Freiheit und Gerechtigkeit steht. Ihre Lieder erzählen von Unterdrückung, Hoffnung und gesellschaftlichem Wandel. Immer wieder wurde sie zensiert, ihre Songs verboten, ihre Stimme zum Politikum gemacht. Doch zum Schweigen bringen ließ sie sich nie.

Schon zu Beginn ihrer Karriere wurde Seldas Musik verboten. Der Vorwurf: kommunistische Propaganda. Um zu verstehen, warum Selda Bağcan so umstritten war, muss man einen Blick zurückwerfen. Nach der Gründung der Republik Türkei im Jahr 1923 verfolgte der Staat das Ziel, eine einheitliche nationale Kultur zu schaffen. Volkslieder wurden gesammelt, systematisiert und nach europäischem Vorbild neu arrangiert. Doch diese staatlich geprägte Musik erreichte das Volk kaum. Stattdessen entstand etwas anderes.

Arabesk - die emotionale Musik der städtischen Unterschicht. Lieder über Armut, Sehnsucht, Migration und Solidarität unter Arbeiterfamilien. Eine Musik, die das ausdrückte, was viele fühlten, aber selten sagen konnten. Aus diesem sozialen Spannungsfeld entwickelte sich in den 1970er-Jahren eine neue Richtung:

Özgün Müzik. Politisch links, gesellschaftskritisch und klar auf Protest ausgerichtet. Selda Bağcan wurde zu einer der wichtigsten Vorreiterinnen dieses Sounds. Sie verband anatolische Volksmusik mit westlichen Gitarrenklängen - und schuf damit eine kraftvolle, moderne Form des musikalischen Widerstands. Eine Frau mit Gitarre war damals bereits außergewöhnlich.

Doch Selda war mehr als das. Sie war eine Frau, die protestierte. Eine Frau, die laut war.

Nach dem Militärputsch von 1980 wurde diese Musikrichtung verboten. Auch Selda Bağcan geriet ins Visier des Staates. Wegen ihrer politischen Lieder wurde sie mehrfach verhaftet. Zwischen 1981 und 1984 saß sie dreimal im Gefängnis. Konzerte wurden untersagt, ihre Platten beschlagnahmt, ihr Pass eingezogen. Erst 1987 erhielt sie mit internationaler Unterstützung ihren Reisepass zurück. In den darauffolgenden Jahren spielte sie Konzerte in den Niederlanden und im Vereinigten Königreich und repräsentierte die Türkei bei einem internationalen Song Contest. Heute gilt Selda Bağcan als Ikone.

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