DER ARTIKEL ZUM PODCAST
Wien, 06. August 2026
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FESTIVALWEEKEND
Isle of Summer fand am 1. August bei perverser Hitze statt. Die dunklen Wolken brachten später zumindest ein paar Freudentröpfchen und etwas Wind, der die Temperaturen erträglicher machte. Organisatorisch gab es nichts auszusetzen: Die Bühnen waren fett, das Gelände weitläufig und frei von Gedränge. Musikalisch bewegte man sich zwischen Sure Shots und noch sichereren Shots. Große Mainacts wie I Hate Models und Deborah De Luca, dazwischen das lustige Duo Schrotthagen. Auf der Hardtechno-Stage liefen Popsongs auf 180 BPM – Rihanna und Co. wurden ordentlich verwurstet. Dann war da noch die Stage mit HUGEL und Co., wo sich die Schönen und Reichen auf den VIP-Tribünen tummelten. Etwas versteckt gab es außerdem eine Art Bounce-Stage. Für 2027 wurde bereits die nächste Ausgabe versprochen. Man darf also „Shampoo" sagen zu diesem geglückten Auftakt. Das Paradies Garten Festival hatte diesmal durchgehend fast zu schönes Wetter und war aufgrund der Hitze meist erst abends gut gefüllt. Auf der Rückfahrt am Samstag gab es dann eine Zugpanne samt stundenlangem Aufenthalt. Jackpot. Auch dieses tolle Event soll nächstes Jahr wieder stattfinden – diesmal, wie versichert wurde, ohne Konkurrenz in Wien am selben Wochenende.
ZOMBIEBALL
Ein nicht ganz unbekannter österreichischer DJ hat sich nach dem Isle of Summer, wo er um 11 Uhr das Warm-up spielen durfte, ein wunderbares Eigentor gegönnt. Weil es zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht so aussah wie zur Primetime, postete er ein Foto, das diesen Eindruck erwecken sollte. KI sei Dank. Aber Technik bedeutet eben nicht nur Segen, sondern auch Fluch. Denn die KI arbeitet schlampig: Die künstlichen Menschen haben teilweise keine Gesichter, dafür mehrere Gliedmaßen zu viel und sehen aus wie Orks mit seltsamen Körperrundungen. Dieses Foto zu posten, war keine gute Idee. Das hat dem Mann leider niemand gesagt – zumindest nicht, bevor es zu spät war. Fame ist eben nicht käuflich, Shame gibt es hingegen gratis…
GROßES KINO
Egal ob Signal, Beatpatrol oder andere: Große Events boomen. Nicht erst seit gestern. Der Trend ist global und durchaus logisch, wenn man sich die Gagen und die Konzentration des Kapitals ansieht. Auch diesen Herbst darf man wieder einiges erwarten, und auch das O bringt sich erneut in Stellung. Sogar Deep Dish hat man gebucht. Ein heißer Herbst steht an…
PROBLEMBÄREN
Als im Februar die sogenannten „Steer Files“ auf Instagram veröffentlicht wurden, erschütterten die Vorwürfe gegen mehrere prominente Hardtechno-DJs die internationale Clubszene. Ausgelöst durch einen ehemaligen Mitarbeiter der Pariser Bookingagentur Steer Management entwickelte sich innerhalb weniger Tage eine der größten Krisen, welche die elektronische Musikszene seit Jahren erlebt hat. Festivals und Clubs reagierten sehr schnell und strichen zahlreiche Artists vorsorglich aus ihren Programmen, obwohl bis heute keine strafrechtlichen Verurteilungen vorliegen. Einige Künstler wiesen sämtliche Vorwürfe zurück und kündigten rechtliche Schritte an. Andere räumten problematisches Verhalten ein oder zogen sich vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurück. Parallel dazu entstand mit „MeTooDJs“ ein internationales Netzwerk zur Unterstützung Betroffener. Seither hat sich die Debatte deutlich verschoben: weg von einzelnen Namen, hin zu grundsätzlichen Fragen nach Machtmissbrauch, Backstage-Kultur, Awareness und der Verantwortung von Agenturen, Veranstaltern und Festivals.Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Szene nach einigen Monaten beginnt, unterschiedlich mit den betroffenen Artists umzugehen. Während manche Acts weiterhin von großen Festivals ausgeladen werden, tauchen andere inzwischen wieder auf Line-ups auf. So standen etwa beim Electric Love Festival zahlreiche ursprünglich diskutierte Namen nicht mehr im Programm, während beim neuen Wiener Festival Isle of Summer einzelne kontrovers diskutierte Artists wieder angekündigt wurden.Die Debatte ist damit keineswegs beendet, sondern geht in ihre nächste Phase: Wie gelingt der Balanceakt zwischen Opferschutz, Unschuldsvermutung und der Frage, wann und unter welchen Voraussetzungen Künstler wieder Teil der Szene sein können? Darüber und über vieles mehr habe ich mit meinem – letzten? – Studiogast Sabrina alias DJ Purrdition gesprochen. Mehr hört ihr also noch einmal, wenn ihr hört.
FAMOUS "LAST" WORDS
Das war Club Kultur auf Radio Superfly. Ein großes Dankeschön an alle, die in den vergangenen Jahren zu Gast waren und den Podcast begleitet haben. Ganz besonders danke ich den treuen Hörerinnen und Hörern, unseren Followern und allen, die geschrieben, kommentiert, mitdiskutiert oder auch widersprochen haben.

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