CLUB KULTUR | Folge #148 | DER ARTIKEL ZUM PODCAST
„Wir haben vielleicht zu groß gedacht“
Wien, 27. November 2025
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FALSCHES SIGNAL?
Am vergangenen Wochenende fand das erste SIGNAL Festival in der Pyramide Vösendorf statt. Als Main Acts waren Korolova und der Afterlife-Produzent MRAK geladen - vielleicht nicht das ideale Line-up. Der Vorverkauf verlief entsprechend schleppend, weshalb man sich kurz vor dem Event zu einer Guerillaaktion größeren Ausmaßes entschloss und halb Wien bei einem „Gewinnspiel“ Tickets gewinnen ließ. Viele überraschte Gesichter freuten sich, andere wunderte sich, weil sie nirgendwo mitgespielt hatten. Manche Personen gewannen dank mehrerer E-Mail-Adressen gleich mehrfach. Dass dabei nicht einmal kontrolliert wurde, wer bereits ein Ticket hatte und wer nicht, spielte offenbar keine Rolle. Hauptsache, die Optik stimmte. Und wenn man schon’ nicht gewinnen sollte, dann halt alle anderen auch nicht.
Die verschenkten Tickets waren an frühe Timeslots gekoppelt, doch zu viel Eile hatte man beim Abarbeiten der Schlange nicht. Einige durften dann sogar noch 20 Euro „Sonderpreis“ zahlen, weil sie erst um 23:30 Uhr bei der Scanstelle ankamen. Drinnen war es schließlich gut gefüllt und sound-und lichttechnisch einwandfrei- es wäre wohl schade gewesen, wenn das Auftaktwochenende von SIGNAL halb leer geblieben wäre. Dieses Problem wird es bei der zweiten Ausgabe wohl nicht geben, denn Charlotte de Witte verkauft deutlich besser. Und überhaupt soll die Pyramide in Vösendorf wieder ein Big Player werden: Neben SIGNAL und Verknipt gibt es eine Vielzahl weiterer kommerzieller Formate, die dort punkten. Die Sehnsucht nach Großevents ist zurück - vielleicht nur nicht in dieser Frequenz.
WO GEHT'S HIER ZUM KIKA?
Egal ob Kika Nord, Palais Festetics oder Korea Haus - an Kreativität mangelt es den Veranstaltern nicht, wenn es darum geht, neue Venues zu erschließen, um ausgelassen zu feiern und den Clubs zeitweise den Rücken zu kehren. Vor allem der Kreativgeist Markus Gasser alias Madagassa mischt mit seinem Team bei mehreren Projekten mit. Die nächste Möglichkeit dazu ist das Krampuskränzchen am 6. Dezember im Palais Festetics. Und auch zu Silvester wird es sicher wieder - neben dem schon fast klassischen Cobenzl-KSOT - weitere Off-Partys geben.
Die Clubs selbst leiden darunter natürlich. Derzeit hört man wohl keinen Clubbetreiber laut jubeln (das O vielleicht ausgenommen). Das Experiment von Techno Obscura im Flex dürfte ein einmaliges gewesen sein. Diese prachtvolle Location kann wohl erst mit einem Besitzerwechsel wieder zu alter Blüte zurückfinden.
SALZBURGER POSSEN
Kompetenz wird nicht in Dezibel gemessen - so könnte man die jüngsten Medienberichte aus Salzburg zusammenfassen. Benny Fleisshackers Salzburger Traumschloss, das Franziskischlössl, auf dem im Sommer mehrere KSOT-Daytime-Events stattfanden, ist ins Kreuzfeuer künstlich aufgebauschter Kritik geraten. Hier wird von gerissenen Geduldsfäden und schlaflosen Villenbesitzern fabuliert, die angeblich von ohrenbetäubendem Lärm gequält alle Hebel in Bewegung gesetzt hätten. Dass Messungen vor Ort lediglich rund 40 Dezibel ergaben, erwähnt man nicht. Ebenso wenig, dass Beschwerden oft schon eintrafen, bevor das Event überhaupt begonnen hatte. Offenbar hat jemand mit einem interessanten Verhältnis zur Realität wieder einmal das Wort „Techno“ als geistige Kletterwand benutzt. Man nennt solche Menschen gerne: Anrainer.
KEIN SOS FÜRS SASS?
Das Wiener Sass zählt seit Jahrzehnten zu jenen wenigen Orten, an denen sich die elektronische Musik der Stadt nicht nur entfalten durfte, sondern eine Art behutsame Kuratierung erfuhr. Seit den Nullerjahren, als House und Techno in Wien ihren ersten Frühling erlebten, bot das Sass einen Zufluchtsort für neue Klänge, für erste DJ-Schritte, für eine Szene, die damals ihre Identität suchte. Viele jener Namen, die später durchaus festivaltaugliche Größe erreichten, standen hier zum ersten Mal hinter den Decks. Das Sass war kein glamouröses Monument, eher ein verlässlicher Resonanzraum im Untergrund der Stadt.
Doch zur Geschichte gehört auch die Gegenwart. Und die klingt zuletzt nicht immer harmonisch. Berichte über offene Zahlungen und Gerüchte über wirtschaftliche Spannungen werfen Fragen auf, die man in einem traditionsreichen Haus nur ungern stellt. Es wirkt, als schwanke der Betrieb zwischen dem Anspruch, ein historisches Fundament zu pflegen, und der Realität eines schwierigen Marktes. Verflochten ist diese Entwicklung mit dem „Schatz im Hof“, einem gastronomischen Großprojekt aus demselben Umfeld, das ebenfalls unter finanziellen Belastungen ächzte. Was dort ins Wanken geriet, ließ sich kaum von der Clubführung trennen...zu nah stehen beide Projekte einander, zu stark beeinflussen sie sich gegenseitig.
Trotz all dem bleibt das Bild eines Ortes, der die Wiener Clubkultur über Jahrzehnte geprägt hat und dessen Bedeutung weit über betriebswirtschaftliche Momentaufnahmen hinausreicht. Wenn man hofft, dass sich die Lage stabilisiert, dann nicht aus nostalgischer Verklärung, sondern weil Wien Räume wie diesen braucht: Orte, die nicht nur nächtliches Vergnügen bieten, sondern kulturelle Kontinuität. Gerade in Zeiten, in denen sie brüchig wird. Und die Lage stabilisiert sich - das können wir vorwegnehmen. Darüber habe ich mit Gregor und Sebastian gesprochen, und mehr dazu hört ihr, wenn Ihr hört. Ihr könnt wie immer auch Tickets gewinnen.

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