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la verité - screening room

la verité

Regie: Hirokazu Koreeda

Die ins hohe Alter gekommene Schauspiel-Diva Fabienne bereitet sich gerade auf eine neue Film-Rolle vor, als sie Besuch von ihrer Tochter samt Familie bekommt. Die narzisstische Fabienne versteht sich hervorragend darin, alte Wunden aufzureißen. Aber ihre neue Rolle lässt sie neue Perspektiven erkennen – auch auf in Bezug auf ihre Tochter. 

Die ist mit Tochter Charlotte und Ehemann Hank angereist, der ebenfalls Schauspieler ist. Fabienne schafft es spielend, ihre Umwelt gleichzeitig zu terrorisieren und zu verzaubern. Hank etwa, der im Gegensatz zu ihr bislang nur Nebenrollen in TV-Serien ergattern konnte, bekommt sein Fett gleich ordentlich ab. Trotzdem begleitet sie die ganze Familie zu den Dreharbeiten für ihren neuen Film. Dort spielt sie mit einer äußerst begabten jungen Kollegin, was Fabienne naturgemäß gar nicht in den Kram passt.

Wider Willen macht die Arbeit an der Rolle aber etwas mit Fabienne, denn sie spielt darin die Tochter einer Frau, die ins All ausgewandert ist, weil sie auf der Erde aufgrund einer Krankheit nur noch wenig Lebenszeit hätte. Im All dagegen bleibt sie für immer jung. So kommt es, dass sie als Tochter ihrer immer noch jungen Mutter gegenüber steht. Und spielt so eine Meta-Version ihrer eigenen Tochter, was ihrem Spiel ganz besondere Wahrhaftigkeit verleiht. Diese Wahrhaftigkeit ist dem Regisseur allerdings schnuppe...

Es ist ein gewagtes Projekt, dass der Japaner Hirokazu Koreeda mit „La Verité“ realisiert hat. Denn der Regisseur des vor zwei Jahren mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichneten Films „Shoplifters“ spricht kein Französisch. Darum musste er sich bei der Arbeit mit seinem fast zur Gänze französischen Cast rund um Catherine Deneuve und Juliette Binoche auf einen Übersetzer verlassen. Das war nicht immer einfach, wie er vorab erklärt hat.  „Eine der kniffligen Herausforderungen war etwa, dass Catherine Deneuve ihren Text sehr geschmeidig und schön gesprochen hat, und es klang einfach toll für mich. Aber die Worte stimmten nicht immer. Sie ist eine Schauspielerin, die ihren Text rhythmisch lernt, also stimmte der immer, aber sie brauchte etwas Zeit, die richtigen Worte zu lernen. Also musste ich mich da sehr auf meinen Übersetzer verlassen, dass auch alles stimmte. Irgendwann bekam ich Zweifel, ob das alles gut gehen könne. Da sagte Ethan Hawke zu mir, der in einer ähnlichen Situation wie ich war, da er nur Englisch spricht und kein Französisch, etwas sehr Hilfreiches zu mir. Das wichtige ist nicht, dass man die selbe Sprache teilt, sondern die selbe Vision. Und solange man die selbe Vision teilt, kann man gemeinsam einen Film machen.“ 

Und tatsächlich ist Koreeda und seinem Cast ein tiefsinniger, etwas melancholischer Film gelungen, der immer dann in wunderbar subtilen Humor umschwenkt, wenn er zu bedeutungsschwanger zu werden droht. Das ist auch ein großes Verdienst der Schauspieler, die mit einer Leichtigkeit spielen, die stellenweise fast fahrig wirkt, aber immer die Kurve kriegt. Ein Feel-Good-Movie auf allerhöchstem Niveau.

La Verité. Ab Freitag im Kino.                                                                      Johannes Rhomberg

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