Marlen Haushofer ist so etwas wie ein allbekannter Geheimtipp: »Die Wand«, ihren berühmtesten Roman, kennen alle irgendwie. Der Claassen-Verlag legt nun nach und nach ihr gesamtes Werk neu auf – damit bekommt auch die Novelle »Wir töten Stella« endlich eigene zwei Buchdeckel. Wir lesen darin die Aufzeichnungen von Anna, die wiederum die kurze Geschichte der 19-jährigen Stella nacherzählt:
Stella ist tot. Sie hat für kurze Zeit bei Anna, deren Mann Richard und den zwei Kindern gewohnt, Anna hat sie mit schönen Kleidern ausgestattet, Richard ging mit ihr aus, hat sie schließlich geschwängert – auf die Abtreibung hinauf warf sich Stella vor einen Lastwagen.
Die Erzählerin ist von erbarmungsloser Sachlichkeit, nichts von alledem wird explizit ausgesprochen, wir folgen Anna in ihren Mutmaßungen, die wir aber allesamt für wahr halten müssen. Julia Schochs Nachwort ist klug und hilft bei der Einordnung.
Marlen Haushofer
Wir töten Stella
Claassen, 96 S.


