Bis heute ist die Faszination für die Schriftstellerin, die schon zu Lebzeiten zur Ikone, ja selbst zur Literatur gemacht wurde, ungebrochen. Aber allzu leicht verfällt man im Schreiben und Sprechen über Ingeborg Bachmann in einen voyeuristischen Blick, ihre Liebschaften mit berühmten Schriftstellern werden ausgebeutet, selbst 53 Jahre nach ihrem Tod wird sie noch zum Spielball der Meinungen über ihre Person. Da ist die gezeichnete Biografie von Jörg Schorn eine angenehme Abwechslung. Denn darin geht es genau um dieses Paradox bei der Bachmann: dieses mit dem Leben verquickte Schreiben, ohne das sie ja nicht kann, und das sie zugleich so unbeschreiblich verletzlich macht, – gepaart mit dem Frauenbild der Zeit, das dem Machtmissbrauch im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit den Boden bereitet hat. In Schwarz, Weiß und Magenta fliegen uns gezeichnete Bachmann-Zitate, Lebensausschnitte und Lebensmenschen entgegen.
Jörg Schorn
Die Bachmann. Eine illustrierte Biographie
Jacoby & Stuart, 120 Seiten


