Ihr Weg auf die Bühne führte über einen Umweg: Lange wollte sie Schauspielerin werden. Dann las sie mit 21 eine Biografie von Billie Holiday, und plötzlich war alles klar. Sie wollte singen, schreiben, produzieren, eine Band leiten und auf Tour gehen. Also studierte sie Jazz- und Popgesang in Köln und Kopenhagen und gründete 2014 ihre Band SALOMEA. Die ist mehr als eine Band, eher eine selbstgewählte Familie: Yannis Anft an den Keys, Oli Lutz am Bass, Leif Berger am Schlagzeug. Gemeinsam haben sie Berge bestiegen, Flüsse durchwatet, fässerweise Holz gehackt und Ferkel gefüttert. Dazu kamen Liebe und Trennungen, Verlust, Heilung und ziemlich viel Therapie.
Daraus ist ein Sound entstanden wie ein Zuhause, ein bisschen abseits der ausgetretenen Pfade: Contemporary Jazz, Neo-Soul und Electronica, getragen von einer Stimme, die verletzlich, politisch wach und kraftvoll zugleich ist. Zwei Nominierungen für den Deutschen Jazzpreis 2021 und 2026 der Titel „Künstlerin des Jahres" zeigen, dass das auch andere hören.
Auf ihrem vierten Album „axxxis" klingt das so: Manche Alben fühlen sich an wie Therapie, dieses hier ist eher das, was danach kommt. Weniger Druck, weniger Beweisen, mehr Vertrauen. Es geht darum, Widersprüche auszuhalten, auf die eigene Intuition zu hören und nicht für alles sofort eine Lösung zu brauchen. Gemeinsam geschrieben und selbst produziert, hört man eine Band, die einander genau zuhört, und eine Sängerin, die auch als Produzentin ihren eigenen Raum findet. Singles wie „Stick Around" und „midnight in soho" geben einen ersten Vorgeschmack.
Sammy Lorenz für Radio Superfly.

