Jill Scott, Jahrgang 1972, wächst bei Mutter und Großmutter auf - ein starkes Matriarchat, das ihr Rückgrat wird. Sie studiert, arbeitet, liest ihre Texte bei Spoken-Word-Abenden. Und genau dort, zwischen knisterndem Mikrofon und dichtem Zigarettenrauch, passiert dieser eine Moment. Im Publikum sitzt Questlove von The Roots. Er lädt sie ins Studio ein. Dort schreibt sie in nur fünf Minuten einen Song, den eine andere große Sängerin um die Welt trägt. „You Got Me“, gesungen von Erykah Badu im Jahr 1999, macht klar: Mit Jill Scott steht ein neuer Name am R&B-Himmel. Und sie sollte selbst vors Mikrofon.
Ein Jahr später erscheint ihr Debütalbum „Who Is Jill Scott? Words and Sounds Vol. 1“. Die Antwort liegt in warmen Rhodes-Akkorden, jazzigen Bläsern, in einer Stimme, die nicht nur singt, sondern erzählt. Sinnlich. Humorvoll. Selbstbewusst. Verletzlich. Ihre Songs handeln von Liebe – nicht in Hochglanz, sondern in Echtzeit. Von Männern, die bleiben. Von Männern, die gehen. Von Körperlichkeit ohne Scham. Von schwarzer Identität. Von Selbstwert. Jill Scott wird Teil der Neo-Soul-Bewegung.
2004 folgt „Beautifully Human: Words and Sounds Vol. 2“, 2007 „The Real Thing: Words and Sounds Vol. 3“ - breiter, üppiger, selbstbewusster produziert. Doch sie ist nie nur Sängerin: Theater, Film, Fernsehen, Moderation, soziales Engagement in Philadelphia. 2011 erscheint „The Light of the Sun“, persönlich, direkt, kraftvoll. 2015 dann „Woman“, eine Hymne auf weibliche Selbstbestimmung.
Und schließlich „To Whom It May Concern“: ein spätes, selbstbewusstes Statement über Reife, Selbstachtung und emotionale Klarheit. Wie ein offener Brief an ihr Publikum.

