In den 1980er- und 90er-Jahren wurde sie zur Stimme des Wassoulou, eines Musikstils aus dem Süden Malis, der sich zu dieser Zeit zu einer modernen Ausdrucksform entwickelte. Klanglich geprägt von der Kamale N’goni, einer westafrikanischen Harfenlaute mit einem treibenden, fast hypnotischen Sound, war Wassoulou vor allem eines: ungewöhnlich weiblich geprägt. Oumou Sangaré machte diese Musik international bekannt und nutzte sie gleichzeitig als Plattform für klare gesellschaftliche Botschaften. Ihre Songs handeln von weiblicher Selbstbestimmung, von Zwangsheirat, von sozialen Ungleichheiten.
Auf diesem Fundament baut heute eine neue Generation auf und eine ihrer spannendsten Stimmen ist Fatoumata Diawara. Geboren an der Elfenbeinküste, aufgewachsen in Mali, verbindet sie diese traditionellen Wurzeln mit Soul, Jazz und Afrobeat und führt den Wassoulou Sound in eine globale Gegenwart.
Bevor sie international als Musikerin bekannt wurde, war Fatoumata Diawara bereits als Schauspielerin auf großen Bühnen unterwegs und arbeitete unter anderem mit der renommierten Theatergruppe Royal de Luxe. Ein prägender Moment war ihre Rolle im Oscar-nominierten Film Timbuktu von Abderrahmane Sissako, der die politische Realität in Mali beleuchtet. Diese Erfahrungen fließen direkt in ihre Musik ein. Songs wie „Nterini“ erzählen von Migration und Entwurzelung, während „Bissa“ für Gemeinschaft und Hoffnung steht. Ihre Stücke wirken fast filmisch, getragen von einer Mischung aus traditionellem Sound, Soul und moderner Produktion.
International hat Fatoumata längst Wellen geschlagen. Kollaborationen mit Künstlern wie Herbie Hancock oder Gorillaz zeigen, wie international relevant dieser Sound ist. Und dennoch bleibt er tief in der malischen Tradition verwurzelt. Was viele nicht wissen: Mali gilt als eines der musikalisch einflussreichsten Länder Westafrikas. Der sogenannte Desert Blues, bekannt geworden durch Bands wie Tinariwen, weist bis heute hörbare Parallelen zum amerikanischen Blues auf.
Von Oumou Sangaré bis Fatoumata Diawara zieht sich eine Linie, die zeigt, wie stark Musik aus Mali von Frauen geprägt wurde und bis heute wird. Eine Verbindung aus Tradition und Aufbruch, aus Haltung und Sound. Und genau deshalb passt das so gut hierher zu uns auf Superfly. Ein Sound, der nicht laut sein muss, um etwas zu sagen, ein Sound, handverlesen wie Superfly.

