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Mittwoch, 25 Februar 2026 15:13

Zwischen Playlist und Burnout

Zwischen Playlist und Burnout

Das Musikbusiness ist längst kein romantischer Traum mehr. Es ist eher ein globales Multimillionenbusiness, datengetrieben, beschleunigt, gnadenlos effizient. Songs sind Content. Künstlerinnen und Künstler sind Marken. Hierbei ist Aufmerksamkeit die härteste Währung von allen.

Streamingplattformen entscheiden oft binnen Stunden, ob ein Track fliegt oder im digitalen Hintergrundrauschen verschwindet. Playlists sind sowas wie die neuen Gatekeeper. Wer nicht konstant liefert, verliert Sichtbarkeit. Schreiben, posten, touren, performen, lächeln. Am besten immer und überall. Sichtbarkeit ist kein Glück oder Bonus mehr, sondern der Dauerzustand. Hinzu kommt künstliche Intelligenz, die Trends analysiert, Hooks optimiert, Stimmen imitiert. Für Labels bedeutet das Effizienz. Für viele Artists bedeutet es Vergleichsdruck. Wenn Maschinen Hits simulieren können, wächst die Erwartung an menschliche Perfektion. Schneller produzieren. Mehr veröffentlichen. Nie aus dem Feed verschwinden.

Und dann sind da die Verträge. Vorschüsse, die zurückgezahlt werden müssen. 360-Grad-Deals, bei denen Labels an Tour, Merch und Social Media mitverdienen. Exklusive Bindungen über Jahre hinweg. Wer einmal unterschreibt, ist oft langfristig verpflichtet zu liefern. Kreativität wird zur vertraglichen Leistung. Dass dieser Druck real ist, darüber reden viele Artists. Billie Eilish sprach offen über depressive Phasen trotz Weltruhm. Adele zog bewusst die Handbremse, um ihre mentale Gesundheit zu schützen. Lola Young thematisiert in Interviews die emotionale Belastung eines Systems, das ständig bewertet. Lauryn Hill zog sich nach einem historischen Soloerfolg weitgehend zurück und entzog sich bewusst dem Dauerbetrieb.

Auch Rechtsstreits und Labelkonflikte sind keine Ausnahme. Immer wieder berichten Artists von kreativen Einschränkungen, Streit um Masterrechte oder Druck, bestimmte Sounds zu bedienen. Wer sich wehrt, riskiert Verzögerungen, Imagekonflikte oder juristische Auseinandersetzungen. Selbst erfolgreiche Acts kämpfen um Kontrolle über ihre eigene Musik. Der Film „The Moment“ von Charli XCX greift genau dieses Spannungsfeld auf. Nicht als Glamourgeschichte, sondern als Blick hinter die Fassade. Der Moment, in dem Erfolg sich nicht mehr nach Freiheit anfühlt, ist vielleicht der Moment, in dem man merkt, dass man quasi nur noch so funktioniert.

Zwischen Millionen Streams und minimaler Ruhe stehen Menschen mit Nervensystemen, nicht nur Profile. Vielleicht liegt die Zukunft nicht nur im nächsten Trend, sondern im Mut zur Pause, zur Menschlichkeit. Weniger Optimierung, mehr Echtheit. Was schon einst die Realität war, klingt in einer Welt von KI nach Utopie. Trotzdem glauben wir an die echte Kunst, die nicht sofort performen muss, die Zeit braucht und echte Gefühle.

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