Man kann Jazz sezieren. Oder man kann ihn schwitzen. Zwei Bässe, zwei Schlagzeuge, drei Bläser: Auf dem Papier klingt Shake Stew zunächst ein wenig so, als hätte beim Zusammenstellen der Band niemand rechtzeitig „genug“ gesagt. Tatsächlich ist dieses Übermaß erstaunlich präzise organisiert.
Vielleicht ist das der eigentliche Trick von Shake Stew: Ihre Musik ist komplex, ohne sich wichtigzumachen. Sie kann sich in repetitiven Figuren festbeißen, minutenlang in Trance geraten und im nächsten Moment auseinanderbrechen, ohne dabei den Groove aus den Augen zu verlieren. Zehn Jahre nach ihrem ersten Auftritt beim Jazzfestival Saalfelden haben sie sich deshalb auch kein Denkmal gebaut. Mit „TEN ONE TWO“ ist im Februar ein Doppelalbum erschienen, das eher demonstriert, warum Stillstand bei dieser Band nie besonders wahrscheinlich war.
„TEN ONE“ zeigt die komponiertere Seite: Lukas Kranzelbinders Stücke, doppelte Basslinien, Bläsersätze, hypnotische Wiederholungen und dieses ständige Gefühl von Vorwärtsbewegung. „TEN TWO“ lockert die Schrauben. Und weil selbst ein Doppelalbum offenbar noch zu vernünftig gewesen wäre, folgt im Herbst mit „TEN THREE“ der dritte Teil.
Shake Stew zeigen, wie weit sich dieses Genre dehnen lässt und dass „made in Austria“ längst kein Understatement mehr ist, sondern ein Qualitätssiegel mit internationalem Nachhall.
SHAKE STEW
Superfly-Konzert
Sa, 12. Juni 2027
Arena, Open Air (Wien)


