Manchmal muss erst etwas gehörig in die Brüche gehen, damit daraus etwas Schönes entstehen kann. Im Fall von Madison McFerrin ist es gleich ein ganzes Album geworden.
Achteinhalb Jahre Beziehung, eine abgesagte Hochzeit und obendrein das Ende einer gemeinsamen beruflichen Zukunft. Die Bilanz fällt einigermaßen ernüchternd aus. Was anderswo vermutlich für mehrere Staffeln einer mittelmäßigen Netflix-Serie gereicht hätte, wurde für die US-amerikanische Singer-Songwriterin zum Ausgangspunkt einer bemerkenswerten musikalischen Neuerfindung. Auf ihrem zweiten Album „Scorpio“ widmet sich McFerrin den großen und kleinen Absurditäten des Herzens. Zwischen Sehnsucht und Selbstbestimmung, Melancholie und neu gewonnener Freiheit entfaltet sich ein ebenso persönliches wie vielschichtiges Stück Soul. Dass das Album ausgerechnet nach ihrem Sternzeichen benannt ist, dürfte dabei kein kosmischer Zufall sein. Der Skorpion steht in der Astrologie schließlich für Verwandlung und Wiedergeburt. Ob die Sterne tatsächlich ihre Finger im Spiel hatten, sei dahingestellt. Musikalisch jedenfalls scheint die Konstellation durchaus günstig.
Denn am Ende geht es auf „Scorpio“ weniger um die Liebe zu anderen als um jene zu sich selbst. Eine Erkenntnis, für die man bisweilen erst die falschen Menschen und einige ziemlich richtige Songs braucht. Und vielleicht liegt genau darin die schönste Pointe dieser Geschichte: Manchmal ist das vermeintliche Scheitern der Anfang von etwas ziemlich Großartigem.
MADISON MCFERRIN
Superfly Konzert

