Im Kindergarten ist Weirdness noch Persönlichkeit. In der Schule wird sie irgendwann zum Problem. Und später zahlen Menschen Eintritt dafür. Vielleicht beginnt ein eigener Sound ohnehin erst dort, wo man aufhört, sich für ihn zu rechtfertigen.
Das Moses Yoofee Trio ist inzwischen ziemlich gut darin. Nicht, weil die drei auf Teufel komm raus anders sein möchten. Eher weil ihnen die üblichen Zuständigkeiten herzlich egal geworden sind. Ein Jazztrio darf nach J Dilla denken. Ein akustisches Schlagzeug darf versuchen, wie ein produzierter Broken Beat zu funktionieren. Robert Glasper kann genauso Referenz sein wie Kaidi Tatham, Herbie Hancock oder die jüngere Londoner Jazzszene. Und wenn sich daraus etwas ergibt, das sich nicht mehr besonders sauber ins Regal zurückstellen lässt, why not!
Und jetzt kommt „Chasing Light“ ins Spiel. Denn die Entstehung dieser EP ist fast der perfekte Beweis für unsere These. Sie gehen nach einer riesigen Tour durch Europa, Asien und die USA nicht ins perfekte Studio und versuchen, das erfolgreiche Album größer, sauberer und teurer nachzubauen. Sie schließen sich für eine Woche in ihrem Neuköllner Proberaum ein, leihen sich Mikrofone aus und drücken Aufnahme, wenn etwas passiert. Danach zerlegen sie das Material wieder, editieren, sampeln, ergänzen und bauen teilweise aus den Sessions neue Stücke.
Vielleicht erklärt das auch, warum ihre Musik trotz der absurd hohen spielerischen Qualität so selten danach klingt, als möchte jemand beweisen, dass er Musik studiert hat. Die drei können kompliziert. Sie müssen es nur nicht permanent allen zeigen. Oft, sagt Moses Yoofee, sei ohnehin das Erste, was sie gemeinsam spielen, das Beste. Danach beginne man schnell, sich zu sehr anzustrengen. Eine erstaunlich brauchbare Erkenntnis übrigens, weit über Jazz hinaus.
Dass ausgerechnet diese kontrollierte Unkontrolliertheit funktioniert, lässt sich inzwischen auch ganz unromantisch belegen: 2024 Deutscher Jazzpreis als Live Act des Jahres, 2026 noch einmal für „MYT“ als Debüt-Album des Jahres. Zwei Auszeichnungen, die nebenbei auch erklären, warum wir über dieses Trio vielleicht besser nicht nur auf Platte reden sollten: Porgy & Bess, 05. November im Superfly Jazz Konzert.
MOSES YOOFEE TRIO
Superfly Jazz Konzert
05. November 2026
Porgy & Bess (Wien)


