Okvsho spielen Jazz, als hätte Miles Davis irgendwann Ableton entdeckt. Was nach einem leicht größenwahnsinnigen Vergleich klingt, beschreibt die Sache erstaunlich gut. Mit dem bald erscheinenden "Frozen Flashes" verlassen Okvsho endgültig jene sichere Zone, in der Jazz wahlweise ehrfürchtig bestaunt oder diskret zum Abendessen gereicht wird.
Die Zürcher Brüder Georg und Christoph Kiss tüfteln in ihren Elektroniklaboren an Musik, die sich jeder eindeutigen Zuständigkeit verweigert. Zu eigenwillig für den Algorithmus, zu körperlich für die reine Kopfsache und viel zu lebendig, um sich folgsam zwischen Jazz, Electronica und Clubmusik einsortieren zu lassen. Kategorien sind schließlich vor allem für Menschen beruhigend, die Musik lieber verwalten als erleben. Live wird daraus mit Okvsho +experience keine makellose Reproduktion des Albums. Zum Glück. Wer die Platte exakt noch einmal hören möchte, besitzt vermutlich bereits Kopfhörer. Auf der Bühne werden die Stücke geöffnet, gedehnt und mit jener lustvollen Unvernunft behandelt, die nur möglich ist, wenn fünf Menschen einander musikalisch genug vertrauen, um nicht permanent recht behalten zu müssen.
Kleine Unfälle sind hier keine Pannen, sondern Ereignisse. Spontane Einschübe kein Kontrollverlust, sondern der Moment, in dem die Musik in einer neuen Form auftaut. Ein Motiv erscheint, verschwindet und kehrt später zurück, als hätte es sich zwischendurch lediglich eine bessere Meinung zugelegt. Kein Abend gleicht dem nächsten. Was angesichts vieler Konzerttourneen bereits als bemerkenswert radikales Versprechen gelten darf.
OKVSHO + Experience 'Frozen Flashes Album Tour
Superfly Jazz Konzert
Sa. 28. November 2026
Porgy & Bess (Wien)


