Musik braucht nicht zwingend Bilder, um Kino zu sein. Manchmal genügt ein Ton, der etwas länger im Raum bleibt, eine Melodie, die nicht auf ihren großen Auftritt drängt, und schon verschiebt sich die Wirklichkeit ein wenig.
Jasmine Myra beherrscht diese Kunst mit bemerkenswerter Ruhe. Die in London lebende Saxofonistin und Komponistin schreibt Jazz, der keine Szenen illustriert, sondern selbst welche hervorbringt. Ihre Musik kennt Melancholie, ohne sich in ihr einzurichten, und Zuversicht, ohne daraus ein Versprechen zu machen. Wo Kamasi Washington die spirituelle Wucht von Pharoah Sanders in monumentale Formen übersetzt, interessiert sich Myra für die leiseren Bewegungen. Für das, was zwischen Aufbruch und Zweifel liegt. Für jene Momente, in denen Erneuerung noch keine Gewissheit ist, sondern zunächst nur eine Möglichkeit.
Geprägt wurde ihre musikalische Sprache in Leeds. Am Leeds Conservatoire traf sie auf eine junge, eng vernetzte Szene, in der Komposition weniger als abgeschlossene Setzung denn als gemeinsamer Prozess verstanden wurde. Diese Offenheit ist bis heute hörbar. Auf „Where Light Settles“, ihrem selbst produzierten und bei Gondwana Records erschienenen Album, findet diese Sprache zu besonderer Klarheit. Raffinierte Ensemble Arrangements, feine harmonische Verschiebungen und Myras unverwechselbares Altsaxofon ergeben eine Musik, die nicht um Aufmerksamkeit wirbt. Sie setzt sie voraus.
Den passenden Raum dafür bietet das Porgy & Bess. Und wir sagen: nichts wie hin!
JASMINE MYRA
Superfly Jazz Konzert
Di, 06. Oktober 2026
Porgy & Bess (Wien)


