Was vor ein paar Jahren noch als naive Idee im Heimstudio begonnen hat, also in jenem Raum, in dem in Österreich entweder Musik entsteht, ein Podcast aufgenommen wird oder ein Mann sehr lange über ein Kabel flucht, hat sich inzwischen etwas erspielt, das man ruhig eigenen Status nennen darf. Da ist etwas schief gewachsen, aber genau richtig schief. Nicht High Fidelity, eher High Personality.
Ignaz Tschinön klingt, als hätte jemand in einem Wiener Gemeindebau eine verschollene Funkplatte aus den USA der Siebzigerjahre gefunden. Nicht im Plattenregal, sondern hinter dem Sicherungskasten, leicht wellig, ein bisschen feucht, vermutlich seit Kreisky dort gelagert. Kaum legt man sie auf, merkt man: Das gehört so. Der Puppenspieler dahinter heißt Matthias Nowak, Multiinstrumentalist, Songwriter und einer, der verstanden hat, dass Funk erst dann wirklich interessant wird, wenn er nicht frisch gebügelt daherkommt. Bei Tschinön hat der Groove einen Fleck auf der Hose, ein sehr gutes Timing und diesen Schmäh, bei dem man sich nie ganz sicher ist, ob das jetzt noch lustig ist oder schon unangenehm wahr.
Nachdem einzelne Veröffentlichungen bereits in unverkennbarer Eigenregie ihre Runden durch die Wiener Szene gezogen haben, wächst Ignaz Tschinön jetzt aus dem Kammerl hinaus. Das ist in Wien bekanntlich oft der gefährlichste Moment, weil aus liebevoller Verschrobenheit plötzlich ein Konzept werden könnte. Für das im Herbst 2026 erscheinende Debütalbum holt sich Tschinön eine vielköpfige Entourage an die Seite, nicht um den Heimstudiosound zu sanieren, sondern um ihn mit Anlauf auf die Bühne zu stellen.
Der Titel PARASYMPATHIKUS verrät schon, dass hier nicht nur getanzt, sondern auch innerlich mitprotokolliert wird. Ignaz Tschinön schaut auf die großen Fragen eines frischgebackenen Dreißigers, auf jene Lebensphase, in der man einerseits noch glaubt, man könne alles ändern, und andererseits schon weiß, wie viel ein guter Polster kostet. Es geht um leise Paniken, komische Selbstgespräche, kleine Abstürze im Kopf und die Kunst, dem Leben trotzdem ein halbwegs überzeugtes Ja abzuringen, ohne sich dafür gleich bei einem Halbmarathon anzumelden oder kalt duschen zu müssen.
So wird nach und nach das Innenleben einer Figur sichtbar, die zunächst wie ein charmanter Schmäh wirkt, dann aber langsam zu blinzeln beginnt und plötzlich erstaunlich viel von einem selbst weiß. Da treffen unwiderstehliche Grooves auf fein geschnitzten Wortwitz, Artmann’sche Sprachlust auf Rolf Rüdiger’sche Kinderzimmer Anarchie, und irgendwo dazwischen steht ein Dreißiger mit Funk im Blut und einem sehr berechtigten Verdacht gegen die Normalität. Oder, um es mit Sly Stone zu sagen: Well, well, well.
IGNAZ TSCHINÖN & ENTOURAGE
PARAYMPATHIKUS Album Releaseshow
presented by Radio Superfly
Samstag, 31. Oktober 2026
Porgy & Bess (Wien)


