Blue Green macht zum Glück nicht den Fehler, sich als nächstes sommerliches Namedropping aufzublasen. Der Reiz dieses neuen Festivals liegt gerade darin, dass es genauer hinhört, den Fokus auf ein musikalisch stimmiges Gesamtkonzept setzt. Blau meint hier nicht bloß ein Farbschema, sondern jenes leicht nächtliche Register, in dem Jazz, Soul, R&B und Funk seit jeher am meisten erzählen. Grün steht nicht für dekorative Frische, sondern für Temperatur, für offenen Himmel, für einen Abend, der seine Wirkung nicht aus Enge, sondern aus Luft bezieht. In der Arena Wien bekommt diese Idee den richtigen Space und das: Open Air.
Das Line-up trägt diese Idee mit einer angenehmen Selbstverständlichkeit. Greentea Peng bringt jene schwer zu greifende Tiefe mit, die sofort Spannung erzeugt. Adi Oasis kontert mit Präzision, Präsenz und sehr viel Stilgefühl. GeeJay halten den Abend bewusst näher am Herzen als am Effekt. Olive Jones schließlich setzt einen warmen, leisen Schlusspunkt, der lange nachhallt. Gerade weil die vier Acts so unterschiedlich arbeiten, ergibt sich ein Abend, der nicht zerfällt, sondern ein sehr präzises Bild zeichnet von jener Gegenwart schwarzer Musik, die auch im Kosmos von Radio Superfly seit jeher ihren festen Platz hat: elegant, offen, rhythmisch verfeinert und mit einem feinen Gespür für alles, was zwischen Soul, Jazz und moderner Urbanität wirklich Substanz hat. Dass dieses Line-up ausschließlich weiblich besetzt ist, muss nicht eigens unterstrichen werden. Man merkt es nicht an einer Botschaft, sondern an der Qualität der Entscheidung.
Blue Green will also nicht bloß gefallen. Es will etwas behaupten. Und das ist in diesem Fall eine ziemlich gute Nachricht für alle Jazz-liebhaber:innen.
BLUE ON GREEN FESTIVAL
presented by Radio Superfly
Mi, 08. Juli 2026
Arena, Open Air (Wien)


