Favoriten muss man nicht schönreden. Es würde fürs Erste schon reichen, genauer hinzusehen. Über kaum einen Wiener Bezirk wird so selbstbewusst geurteilt wie über den Zehnten. Oft aus sicherer Entfernung, gelegentlich nach einer Fahrt mit der U1 und fast immer anhand derselben vertrauten Zuschreibungen. Was gerne übersehen wird: genau darin liegt auch seine kulturelle Energie.
Hier treffen unterschiedliche Biografien, Sprachen, Lebensrealitäten und Vorstellungen davon aufeinander, wie eine Stadt funktionieren sollte. Nicht immer harmonisch. Aber Gemeinschaft ist schließlich auch nicht das Ergebnis davon, dass alle plötzlich derselben Meinung sind. Sie beginnt dort, wo Menschen einander überhaupt begegnen. Genau an diesem Punkt setzt Favorite Fall an. Von 21. bis 27. September wird Favoriten eine Woche lang selbst zur Bühne. Musik, Kunst, Theater, Diskussionen und Performances ziehen dabei nicht bloß in klassische Kulturräume ein, sondern an unterschiedlichste Orte im Bezirk. Dorthin, wo das tägliche Leben stattfindet und Kultur nicht erst feierlich eröffnet werden muss, weil sie längst da ist. Hier geht's zum Programm!
Das diesjährige Motto „How to unite in dividing times“ klingt zunächst nach einer jener Fragen, auf die Gegenwartskongresse gerne sehr lange Antworten geben. Tatsächlich ist der Gedanke dahinter ziemlich konkret: Was kann Kultur leisten, wenn gesellschaftliche Gräben größer werden? Kann sie Menschen verbinden, ohne Unterschiede glattzubügeln?
Die einfachste Möglichkeit, sich selbst ein Bild davon zu machen: hinfahren. Vielleicht nicht, um Favoriten anschließend schönzureden. Aber zumindest, um genauer hingesehen zu haben.
FAVORITE FALL
supported by Radio Superfly
21. - 27. September
Favoriten (Wien)

